ich bin mir der (teilweise unzulässigen) Verallgemeinerung der folgenden Gedanken durchaus bewusst - und trotzdem erscheint es mir sinnvoll, sie einfach mal vorzubringen:

kämpfen Frauen mehr?

oder führen so viele kleine und doch einschneidende negative Erfahrungen dazu, dass Frauen meinen, sich alles erkämpfen zu müssen … nix annehmen zu können, weil vielleicht der Eindruck entsteht, frau sei schwach … um alles kämpfen zu müssen und mehr oder weniger oft total erschöpft in Tränen ausgebrochen zu erkennen, dass frau eigentlich nach außen nur einen Schein wahrt … die scheinbare Stärke macht einsam … sie erweckt den Eindruck der Realität, der Normalität, so dass niemand mehr zu erkennen scheint, dass frau eigentlich Hilfe braucht … aber schon vor langer Zeit aufgehört hat, danach zu fragen … zum “supergirl” geworden ist

Frauen, die es endlich geschafft haben, sich bei Männern, in Gruppen (oder wo sonst auch immer in der Gesellschaft) Gehör zu verschaffen, verteidigen wie Furien ihre Position und es wird schwer, eine Kommunikationsform zu finden, in der die endlich wahrgenommenen Frauen nicht immer hinter allem einen Angriff auf sich selbst und ihr schwer Erkämpftes vermuten

Freude und Leichtigkeit geht verloren …

Angst macht sich breit … Angst, wieder übersehen zu werden … Angst, das zu verlieren, was frau sich erkämpft hat … Angst, Schwäche zu zeigen, weil dann das Klischee bestätigt wird, frau tauge zu nichts … Angst, immer wieder mit ach so bekannten Bibelstellen ausgebremst zu werden, wieder daran erinnert zu werden, dass frau sich behaupten muss, kämpfen muss - und dabei die Angst, sein eigenes Bibelverständis sei fehlerhaft und Gott wird das irgendwann strafen … verzerrte Gottesbilder … immernoch … zumindest im Herzen … so viel Verletzung … all die erlebte Ablehnung für nicht lieb und brav und nett sein - eben wie ein Mädchen, eine Frau sein

gibt es einen Weg, Gehör zu finden ohne es sich erkämpfen zu müssen und dann gegen alle ins Feld zu ziehen und jede und jeden als Feind zu sehen?

gibt es einen Weg, nicht immer die Stimme in sich drin zu spüren, doch eigentlich lieber brav und liebevoll zu warten, bis frau den Raum für ihre Gedanken, Einsichten und Erkenntnisse bekommt - auch wenn der vielleicht nie kommt - oder viel zu spät und nicht ernst genommen wird?

warum fällt es schwer, anderen strukturelle Mißstände verständlich zu machen? strukturell wie ungleiche Löhne? oder in Diskussionen (gerade in christlichen Kreisen) die “Bösen” zu sein, wenn es ums Thema Abtreibung geht - entweder sind die Frauen zu egoistisch, weil sie ihr Leben selbst gestalten möchten oder die Straftäterinnen, die ihre noch nicht oder gerade geborenen Kinder umbringen? und warum sind es so oft Männer, die verurteilen?

selbst wenn all die aufgeschriebenen Sachen nicht für alle zutreffen - wo sind die Ausnahmen? wo sind die Orte, wo frau nicht als Emanze gilt, wenn sie Gleichwertigkeit fordert (und sei es von typisch weiblichen Berufen oder Aufgabenfeldern, die oft als minderwertig angesehen werden)? wo ist die Freiheit, schwach sein zu dürfen und trotzdem Gehör zu finden und ernst genommen zu werden? einfach gesehen zu werden und nicht erst zu schreien, dass frau auch mit berücksichtigt und gefördert wird? wo ist das sich gegenseitig groß machen anstatt immer zu fordern, dass sich Frauen unterordnen sollen? und wo ist die Hilfe und Unterstützung, die antrainierten Muster endlich loszuwerden?

es braucht diese positiven Erlebnisse, um Festungen kaputt zu machen, Mauern, die um Herzen errichtet wurden, kaputtzusprengen…

und es braucht Heilung … die Schreie der verletzten Herzen und Seelen machen taub …