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Gedankensprünge » Zitate

Zitate


Zitate and nachgedacht30 Jan 2009 01:31 am

bei Jubiläen neigen Leute dazu, sich Zeit zu nehmen zum Zurückschauen, Zeitspannen zu überblicken, Entwicklungen auszumachen, Prozesse zu erfassen
am 19.Januar war für einige so ein Tag - vor 90 Jahren wurde Frauen das Recht zugestanden, wählen zu gehen
(was mensch von diesem Recht, dieser Option und den daraus resultierenden realen Einflussmöglichkeiten hält, sei jetzt mal dahin gestellt)
viele haben sich zum Thema Gleichberechtigung/Gleichbehandlung geäußert, und doch ist die Realität oft weit davon entfernt - einiges hat sich getan, das Ziel noch nicht erreicht
Rollenverteilung und geschlechtertypische Verhaltensmuster und Charakteristika, Chancegleichheit im Beruf, Unterschiede bei Gehalt und Lohn, Mehrfachbelastung - Schlagwörter, Begriffe, Fragen, noch offene Fragen, fehlende Begründungen,
Unverständnis, Wut, Unsicherheit, Kritik,
oberflächlicher Fortschritt - vielleicht doch nur theoretisch

“mir begegnen Männer doch heute mit einer grundsätzlichen Offenheit, mit Toleranz. Wenn ich mich also frage, warum habe ich es nicht geschafft, mit ihnen gleichzuziehen, dann gerate ich als junge Frau in die Gefahr, nur individuelle Defizite verantwortlich zu machen, anstatt gesellschaftliche Ursachen zu benennen” (Jana Hensel, Autorin)

Verinnerlichtes,
Sozialisation,
Unzulänglichkeitsgedanken und -gefühle,
ich bin schuld - bin ich schuld?

Lösungen?
Handlungsmöglichkeiten?
Handlungsansätze?

“Heute wird klar, dass das gleichberechtigte Mitmachen der Frauen im Grunde für die Männer ein genauso tiefer Einschnitt ist wie für die Frauen. Gleichberechtigung kann nur funktionieren, wenn die Frau nicht der Supermensch werden muss und alle anderen dürfen so weiterleben, wie sie bisher gelebt haben” (Angela Merkel, Bundeskanzlerin)

Lösungen?
Handlungsmöglichkeiten?
Handlungsansätze?

Quote
“man diskreditiert diese Mechanismen als überholt, aber ich habe den Eindruck, dass dahinter schlicht Diskriminierung steckt: das Argumentist ja, dass die Quote unqualifizierte Frauen fördere. Das ist für mich nichts anderes als der latente Vorbehalt, Frauen seien grundsätzlich nicht oder nur in Ausnahmefällen für Jobs geeignet, für die bisher Männer verantwortlich waren” (Jana Hensel, Autorin)

miteinander statt Positionssicherung
miteinander statt Positionserweiterung
miteinander statt Rache

und doch berechtigte Kritik
und doch nötiges Umdenken
und doch berechtigte Unzufriedenheit, berechtigte Unzufriedenheit, berechtigter Schmerz
und doch nötiges Aufbrechen üblicher Geschlechtermuster
und doch verändertes Miteinander

Heilung. Vergebung.
Selbstwert.
Freiheit. ohne unrealistische Erwartungen
miteinander - sich gegenüber

Zitate07 Jul 2008 01:39 pm

“Die Erde ist ein Organismus, in dem Pflanzen, Tiere und Menschen wie Zellen sind. Jede winzige Kleinigkeit in diesem Organismus hat ihre bestimmte Aufgabe zu erfüllen, und nur wenn das in guter Harmonie übereinstimmt, dann lebt, blüht und gedeiht dieser Organismus. Der technische Zivilisationsmensch mit seiner zwanghaften Manie, Natürliches zu verdrängen, zu vermindern und zu zerstören, um es durch gigantisches Wachstum von Unnatürlichkeiten zu ersetzen, hat eine fatale Ähnlichkeit mit Krebs. Seit diese Geisteskrankheit wuchert und wuchert, breiten sich ihre Folgen wie Metastasen über die Erde aus. Indianer sagen das seit mehr als 300 Jahren … Aber wie sollte man einem Tumor begreiflich machen, dass gerade das, was er für einen großartigen Erfolg hält, in Wirklichkeit Selbstmord ist”

(Bruce Elija, Häuptling der Oneida-Irokesen, 1980)

gefunden in: Frederic Vester: Die Kunst, vernetzt zu denken

Zitate06 Feb 2008 10:22 pm

Heute mal etwas länger - geschichtlich einzuordnen in die Weimarer Republik:

“Die Kirche, sagt Barth, hat zu viele falsche Kompromisse gemacht. Um im wahrsten Sinne des Wortes “salonfähig” zu werden, hat sie die herrschende Kultur und Gesellschaftsordnung unkritisch akzeptiert und religiös überhöht. Dieser “Kulturprotestantismus” … repräsentiert die Sorte von Religion, die Ludwig Feuerbach als eine Erfindung des Menschen bezeichnet. … Die einzige Chance für einen Neubeginn besteht in der Besinnung auf den in der Schrift bezeugten Willen Gottes, der menschlichen Macht und Ordnungsvorstellungen entgegensteht”

“Solange der Kaiser “von Gottes Gnaden” die alte Ordnung garantierte, hatte die Kirche sich keine Sorgen um ihr Existenzrecht machen müssen: Als Staatskriche war sie Teil des herrschenden Machtapparats, … Die Reaktion auf den Privilegienverlust und Austrittsbewegungen [nach der Revolution] sind unterschiedlich. Der größte Teil der Pfarrschaft sehnt die Monarchie zurück und wählt deutschnational. Ein kleiner Teil will die Kirche rechtlich und politisch in der neuen demokratischen Verfassung verankern und damit ihren öffentlichen Auftrag absichern. Die dialektische Theologie wittert in beidem eine falsche Verbindung von Kirche und Staat; sie will die Kirche nicht entpolitisieren, sondern zum unabhängigen Handeln auch gegenüber dem Staat befreien.”

“Was aus Luthers differenzierter Lehre in der lutherischen Kirche in Deutschland später geworden ist, lässt sich auf die Formel bringen: Die Kirche soll das Evangelium verkündigen, aber sich nicht in die Politik einmischen. Diese bis heute weit verbreitete Meinung führt unweigerlich dazu, die angebliche Eigengesetzlichkeit der Welt unangetastet zu lassen … und landet beim relativen Recht des Stärkeren in Politik und Wirtschaft … Barth hatte die Vermischung von Kirche und Staat ebenfalls abgelehnt, doch eine völlig entgegengesetzte Konsequenz daraus gezogen. Wenn Gott “nicht Religionsgeschichte begründen, sondern Herr unseres Lebens sein will”, dann bleibt kein Lebensbereich von diesem Herrschaftsanspruch ausgesondert, auch nicht der politische. Allerdings bedient sich die Herrschaft Christi nicht politischer Machtmittel, sondern bleibt kritisches Element gegenüber jeder etablierten menschlichen Herrschaft”

(Quelle: Renate Wind: Dem Rad in die Speichen fallen: Die Lebensgeschichte des Dietrich Bonhoeffer)

Macht und Herrschaft - und das Streben nach Anerkennung von Menschen - die damit verbundene Erlangung von (Schein-) Sicherheiten stellt schon seit jeher einen der schwerwiegendsten Fallstricke für Menschen dar, Jesus zu verraten. Und die Herrschaft Christi - in Liebe, Demut, Freiwilligkeit, Sanftheit, Mündigkeit der/des Einzelnen und frei von Zerstörung, Schmerz und Gewalt - erscheint so den Herrschaftsformen dieser Welt zu gleichen. Doch Gott ist fähig und willig, zu vergeben, die (bürgelichen) Scheinsicherheiten durch echte Sicherheiten zu ersetzen und in seinem liebenden und dienenden Wesen, Menschen frei zu machen von der Herrschaft dieser Welt. Doch die Verantwortung, sich durch Jesus vom Macht- und Herrschaftsstreben dieser Welt freisetzen lassen und damit wirklich frei leben zu wollen, liegt bei jeder/jedem Einzelnen.

Galater 5,13 “Ihr aber, liebe Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.”

Zitate30 Jan 2008 11:41 am

in einer Zeit, in der das Wort “Führer” noch mit relativer Neutralität besetzt war, schreibt Dietrich Bonhoeffer (Anfang Februar 1933 - noch vor dem Brand des Reichstages):

“Der Mensch und insbesondere der Jugendliche wird so lange das Bedürfnis haben, einem Führer Autorität über sich zu geben, als er sich selbst nicht reif, stark, verantwortlich genug fühlt, den in diese Autorität verlegten Anspruch selbst zu verwirklichen. Der Führer wird sich dieser klaren Begrenzung seiner Autorität verantwortlich bewusst sein müssen. Versteht er seine Funktion anders als sie so in der Sache begründet ist, gibt er nicht dem Geführten immer wieder klare Auskunft über die Begrenztheit seiner Aufgabe und über dessen eigene Verantwortung, lässt er sich von dem Geführten dazu hinreißen, dessen Idol darstellen zu wollen … dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers.”

“Unversehens hat Dietrich [Bonhoeffer] damit bereits eine Beschreibung der gerade einsetzenden Massenhysterie, der kollektiven Flucht aus der Verantwortung in den Führerkult geliefert”, kommentiert dazu Renate Wind in ihrer Bonhoeffer-Biographie

Die Erfahrungen der Geschichte verdeutlichen, wie wichtig es ist, Menschen - und besonders jungen Menschen - zu ihrer Eigenverantwortlichkeit und Mündigkeit zu verhelfen. Dabei stellt sich die besondere Herausforderung, gerade in einer Welt, in der nahezu alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die durch ihre Rolle in der Öffentlichkeit als Vorbilder fungieren, diese Flucht aus der Verantwortung vorleben (”sich möglichst ohne viel Schaden geschickt aus der Affäre ziehen”, Fehler vertuschen oder veschleiern), Menschen ihre Verantwortung für sich selbst klarzumachen - in der Gewissheit, dass unser uns bedingungslos liebender himmlischer Vater durch Jesus Tod am Kreuz Vergebung für alle Fehler und Übertretungen bereithält - aber ohne Verantwortung übernehmen und die Fehler und Übertretungen eingestehen, kann auch keine Vergebung kommen - allein schon dazu ist Eigenverantwortlichkeit und Mündigkeit existenziell. Denn niemand kann für andere genau diese Verantwortung übernehmen, auch wenn “nur” Anweisungen, Befehle etc. ausgeführt wurden - das spricht niemanden von seiner/ihrer eigenen Verantwortung frei. In einem gesellschaftlichen Klima von Autoritätshörigkeit und/oder Existenzängsten erfordert dies durchaus eine gehörige Portion Mut … doch welche Alternative gibt es?