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Gedankensprünge » 2009 » Dezember

Dezember 2009


alltag26 Dez 2009 02:54 pm

gesammelte Gedanken …

17.12.09

Mit gigantisch schwerem Gepäck und Schneechaos bin ich Mittwoch Abend auf der Insel eingetroffen. Mein Koffer fungierte gelegentlich als Schneeschieber durch die ca. 20cm Neuschnee. Wahrscheinlich auch deshalb sind meine Hände überseht von Blasen und der Muskelkater schmerzt in den Armen. Trotz scheinbar unendlich vieler Treppen und 5mal Umsteigen bin ich gut angekommen.

Nach einer guten Nacht Schlaf und einem reichhaltigen Frühstück brachte mich ein unglaublich mürrischer Taxifahrer durch von Schnee gefährlich glatte Straßen zum Appartmenthaus der Angestellten, begleitet von einer zukünftigen Kollegin. Der Eindruck meines kleinen Appartments (ein ehemaliges Hotelzimmer) ist im großen und ganzen bewohnbar – die farbliche Gestaltung grauenvoll, dafür aber mit Balkon und Bäumen (!!! – die gibt es doch auf der Insel) davor. Ein eigener Kühlschrank, 2 Elektoplatten und eine Spüle bilden meine kleine Küche. Eine gewisse Ausstattung an Geschirr und Küchenutensilien sind sogar vorhanden. Das Bad ist relativ geräumig, wenn auch Dusche und der übrige Fußboden eins sind. Seit ich hier angekommen bin, versuche ich die Möbel so zu arrangieren, dass es wohnlich wird – dabei frag ich mich schon seit mittlerweile fast 2 Stunden, wo ich mit dem 2.Bett hinsoll. Wer weiß, ob mir irgendwann mal jemand die Frage wird beantworten können, warum in einem 1-Person-Appartment 2 Betten stehen? Für den Anfang wird der Coachtisch als Schreibtisch herhalten müssen. Der Fernseher wird wohl bald im Schrank verschwinden und die Bilder an der Wand müssen weichen (spießig stillose Reprints irgendwelcher Gemälde und noch dazu von schlechter Qualität).

Gerade hab ich das erste Mal Besuch: eine Amsel landet auf dem Balkongeländer vor meinem Fenster und ich frag mich, wie lange es dauern wird, bis mir meine Etagen-Nachbarn über den Weg laufen. Oder ich werd einfach mal klopfen gehen in den nächsten Wochen.

Das Fazit meiner neuen Bleibe – sauber (bis auf ein paar Flecken auf dem Teppichboden), funktional, aber wenig gemütlich und das schlimmste: daran lässt sich wenig machen. Kann ich nur hoffen, dass ich mich schnell dran gewöhne.

Ich vermiss jetzt schon mein Zimmer in meiner alten WG!!!

Und es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich realisiert habe, dass das hier jetzt für länger ist. Im Moment fühlt es sich noch so an wie ein paar Wochen und dann bin ich wieder in meinem alten Leben in Görlitz. Fragen kreisen: war es die richtige Entscheidung, hierher zu gehen? werd ich es die Zeit aushalten, die ich mir vorgenommen habe? wie lange wird es dauern, bis ich mich hier eingelebt habe? wie werd ich meine freie Zeit totschlagen können?

So, jetzt gilt es meine Sachen fertig auszupacken und dann mach ich den Strand unsicher – Schnee am Meer hab ich noch nie erlebt und da das nicht zu häufig vorkommt, werd ich die Gelegenheit nutzen.

26.12.09

nach knapp 1 ½ Wochen hab ich jetzt schon einen guten Einblick in die Arbeit. Geregelte Arbeitszeiten, gut organisierte Arbeitsabläufe, in die mensch sich schnell einfinden kann, klare Aufgabenabgrenzungen und supernette Kollegen – hätt nicht gedacht, dass ich jemals in den Genuss dieser Arbeitsbedingungen kommen würde …

so fühl ich mich nach den ersten Tagen hier denn auch erholt – trotz 8-Stunden-Arbeitstag! Ich genieß es, auch mal Zeit für die Sachen zu haben, zu denen ich die letzten Monate nicht gekommen bin: durchatmen, sein können, die Gedanken in meinem Kopf sortieren – meinen Kopf und meine Festplatte entmüllen, lesen, Briefe schreiben …

mein erstes Weihnachten hier auf’er Insel hab ich mit Arbeiten und langen Strandspaziergängen verbracht – und war auch in ´nem Gottesdienst, was ich mir hätte sparen können, denn der war echt schlecht und das allgegenwärtige Leisten-Müssen, das sich in Weihnachtsgottesdiensten deutlich im Spenden-Müssen ausdrückt, war wie leider üblich anzutreffen – ich bin nicht prinzipiell gegen Spenden, nur nervt es mich, wenn Leute sich damit ein gutes oder zumindest besseres Gewissen erkaufen, ohne selbst wirklich den Menschen, denen sie Geld zukommen lassen (ich geh mal gutgläubig davon aus, dass das Geld auch tatsächlich dort ankommt), begegnen zu müssen, sozusagen nicht mal aus ihrem bequem eingerichteten Leben rausmüssen und sie sich so auch keine Fragen stellen müssen. Na wenigstens hat sich die Gemeinde sinnvolle Projekte ausgesucht, wo das Geld hingeht – aber das Grundproblem bleibt und ich weiß auch selbst nichtmal, wie es praktisch gehen kann, dass Gemeinden Orte werden, wo wir als Geschwister gemeinsam unterwegs sind – gemeinsam, d.h. über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg und somit jegliche gesellschaftliche Ausgrenzung aufheben – egal ob Status, Geschlecht, Rasse oder was sonst auch immer noch Leute ausgrenzt. Das ist mein Weihnachtswunsch …

kurz und knapp11 Dez 2009 06:07 pm

nach mehr als 7 Jahren steht jetzt der Umzug an … ganz vom Osten der Republik in den Nordwesten … 750 km … ein neues Stück meines Lebensweges

aber noch bleiben mir ein paar Tage in Görlitz …